NEWSWeinbranche mit Zuversicht – Bierbranche vor Pleitewelle

Weinbranche mit Zuversicht – Bierbranche vor Pleitewelle

Während die Weinbranche in 2020 mit einem blauen Auge davon gekommen scheint, leidet die Bierbranche extrem. Umsatzeinbrüche bis zu 70 Prozent, einhergehend mit Zukunftsängsten, beginnender Pleitewelle und vom Brauerbund bemängelter nicht ausreichender Unterstützung verhageln den Brauern die Zuversicht.


DEUTSCHLAND (Augsburg / Berlin) – Das vergangene Wirtschaftsjahr (01.08.2019 – 31.07.2020) war trotz der ersten Welle der Corona-Pandemie für die deutsche Weinindustrie erfolgreich. Die Deutschen konsumieren in dem Zeitraum 0,6 Liter mehr Wein pro Person als im Vorjahreszeitraum. Allerdings weiß noch niemand, in welchem Umfang sich der zweite Lockdown, dessen Ende noch nicht absehbar ist und der komplett das aktuelle Wirtschaftsjahr beeinflussen wird, sich auf die Statistik auswirken wird.

Trotz teilweiser Zufriedenheit in der Weinbranche sollte man beachten, dass sich in den letzten 40 Jahren der Konsum von Wein/Sekt praktisch nicht verändert hat. Wein hat laut statistischen Aufzeichnungen seit Anfang der 80iger Jahre minimal zugelegt, Sekt etwas abgebaut (waren mal rund 4 l/Kopf). Mehr dazu lesen Sie in meinem Beitrag: „Deutsche steigern ihren Weinkonsum“.

Düsterer Horizont bei den Brauern

Ganz anders sieht es bei den Brauern aus, die von den bisherigen Lockdowns aufgrund der Corona-Pandemie stark gebeutelt sind. Schon Ende des vergangenen Jahres haben hunderte deutsche Brauereien infolge der Corona-Krise die Stundung fälliger Biersteuer beantragt. Noch vor dem winterlichen Lockdown stellten 383 der über 1500 Brauereien in Deutschland einen entsprechenden Antrag bei ihrem Finanzamt, wie die „Augsburger Allgemeine“ in Berufung auf die Antwort der Bundesregierung auf eine aktuelle FDP-Anfrage Ende November berichtete. Demnach stundeten die Finanzbehörden den Brauereien im letzten Jahr insgesamt 79,1 Millionen Euro.

„Für viele der überwiegend familiengeführten und mittelständischen Brauereien in Deutschland entwickelte sich die Situation über den Sommer und Herbst existenzbedrohend“, kommentierte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauerbunds, Holger Eichele, in Zeitung. Der erneute Lockdown in der Gastronomie verschärfe die wirtschaftliche Lage: „Über Nacht kam der Fassbierabsatz völlig zum Erliegen. Niemand weiß, wie es jetzt weiter geht.“ Eichele betonte, dass Getränkelieferanten wie Brauereien und Großhändler bei den Bundeshilfen für die Gastronomie leer ausgingen.

Bilanz zu Beginn 2021

Der Absatz der deutschen Bierbrauer während der Corona-Pandemie wird von den Statistikern als „dramatisch eingebrochen“ benannt. Immer mehr mittelständische und handwerkliche Brauereien meldeten Ende des Jahres drastische und nicht selten existenzbedrohende Umsatzeinbrüche, teilte der Deutsche Brauer-Bund (DBB) heute mit. „Die Situation ist dramatisch und in der Nachkriegszeit ohne Beispiel“, erklärt DBB-Hauptgeschäftsführer Holger Eichele. Besonders schwer betroffen seien Brauereien mit einem großen Gastronomie- und Veranstaltungsangebot. 

In einer aktuellen Branchenumfrage unter mehr als 80 Brauereien habe das Gros der befragten Betriebe massive Umsatzeinbrüche beklagt, heißt es in der DBB-Mitteilung. Im Mittel hätten die befragten Brauereien mit Bier und Biermischgetränken im vergangenen Jahr 23 Prozent weniger umgesetzt als im Vorjahr. In Einzelfällen betrugen die Einbußen demnach bis zu 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nur sehr wenige Brauereien, die ihre Biere überwiegend oder ausschließlich über den Handel anbieten, hätten 2020 ihr Vorjahresniveau halten können. 

Absatzrückgänge von 50 Prozent und mehr beklagten laut DBB vor allem kleinere Betriebe mit bis zu 30 Mitarbeitern, die meist überdurchschnittlich stark vom ausbleibenden Gastronomie-Absatz und der Absage von Festveranstaltungen betroffen waren. 

Keine rosige Zukunft in Sicht

Repräsentativ ist das Ergebnis der DBB-Umfrage nicht. Wie stark der in Hektolitern bemessene Bierabsatz bundesweit eingebrochen ist, wird die Jahresmeldung des Statistischen Bundesamtes zeigen, die Ende Januar veröffentlicht werden soll.

Der DBB berichtete von großen Zukunftsängsten in der Branche. 91 Prozent der Betriebe befürchten demnach den Verlust zahlreicher Absatzstätten durch eine Pleitewelle im Gastgewerbe. Viele kritisierten die von Bund und Ländern beschlossenen Hilfsmaßnahmen als unzureichend.

Angesichts der engen Verbindung zum Gastgewerbe fordert der DBB analog zur Gastronomie eine ähnliche Unterstützung für die Braubranche. Auch hätten sich viele der befragten Brauereien für eine Wiederherstellung der alten Biersteuermengenstaffel sowie eine Verstetigung der Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie ausgesprochen.

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