TERROIR TEIL-3: Ein Begriff geht um die Welt

Konstatiert werden kann, dass es derzeit keine Region, kein Land gibt, in dem „Terroir“ nicht von enormer Bedeutung für den Weinmarkt ist – siehe China. Auch hier spielt der Begriff eine zentrale Rolle, wie beispielsweise die Ausrichtung der „International Terroir Wine Expo“ in Yantai dokumentiert.


DEUTSCHLAND (Würzburg) – Nach den Entwicklungen in Frankreich ließ es nicht lange auf sich warten, dass sich zunächst im europäischen, dann auch in den Weingebieten weltweit dieser Begriff durchsetzte. Gutsdirektor Andreas Herold vom Weingut „Icario“ in der Toskana beispielsweise gibt an, Teil seiner Produktphilosophie sei es, möglichst wenig Eingriffe in Weinberg und Keller vorzunehmen und (dennoch oder gerade deshalb?) ein Optimum an Qualität zu generieren. Seit 2008 würden geopedologische Untersuchungen durchgeführt, um ausschließlich Weine zu produzieren, die „dem Terroir entsprächen“.

In einem Fachartikel (2002) der National Academy of Sciences of the United States of America, der sich vor allem mit den Auswirkungen des Klimawandels auf den Wein auseinandersetzt, werden als hauptsächliche Elemente des jeweiligen „Terroirs“ unter anderem die Temperatur sowie die Luftfeuchtigkeit angegeben. Die Autoren, darunter Lee Hannah und Patrick R. Roehrdanz, berufen sich dabei auch auf die Forschung von Emmanuelle Vaudour, die Interdependenzen zwischen Weinqualität und geographischen Bedingungen feststellt. Sie berichtet von diversen „Facetten“ des Begriffs und differenziert dabei zwischen „Terroir“ und „Territorium“ – für unsere Diskussion keine Hilfestellung. Ein Blick in ihr Buch „Les terroirs viticoles – Définitions, caractérisation et protection“ ist dennoch lohnenswert, ist sie doch bei SIAFEE (Sciences et Ingénierie Agronomiques, Forestières, de l’Eau et de l’Environnement) maßgeblich für Bodenforschungen und Folgerungen für den Weinbau verantwortlich.

Kein Wein ohne Terroir – kein Land ohne Terroir

Konstatiert werden kann, dass es derzeit keine Region, kein Land gibt, in dem „Terroir“ nicht von enormer Bedeutung für den Weinmarkt ist – siehe China. Auch hier spielt der Begriff eine zentrale Rolle, wie beispielsweise die Ausrichtung der „International Terroir Wine Expo“ in Yantai dokumentiert. Sie wurde bereits 2008 ins Leben gerufen und ist Chinas einzige Messe für luxuriöse Weine – veranstaltet in einer Stadt, die als „chinesisches Bordeaux“ bekannt ist. Doch auch die Regionen Yunnan und Sichuan werden von Chinesen mit dem Begriff in Verbindung gebracht, vor allem in den hochgelegenen Flusstälern von Lancanjing (Mekong), Dadu und Min, die an Tibet grenzen: Li Demei von „Decanter China“ konstatiert, sie verfügten aufgrund ihrer schieren Höhenlage über ein „einzigartiges Terroir“.

Zudem existieren laut ihres Präsidenten Fang Yulin entsprechende Forschungen zur Thematik beispielsweise vom College of Wine an der Northwest Agriculture and Forestry University und auch Zhan Jicheng, Professor an der China Agricultural University, beschäftigt sich mit dem „terrific terroir“ chinesischer Regionen. Dies ist nicht verwunderlich, titelte „Le Point“ doch schon im Jahr 2013, die Elite des französischen Weinbaus sei auf der Suche nach dem perfekten Terroir – in China: Man suche das ideale Gleichgewicht von Boden, Klima und „techniques“, um wunderbare Crus zu komponieren – und diese „rare Alchemie“ wolle man hier in Asien finden.

Direkt auf Weinflaschen findet sich zunehmend häufig ebenfalls ein entsprechender Verweis: So wirbt Château Purcari, Moldawiens angesehenstes Weingut, auf seinen rückwärtigen Etiketten mit dem Verweis auf „Terroir-ul Purcari este cunoscut dincolo de graniţele ţării. Micro-clima unica şi solul bogat in rubidiu“, mithin also mit Informationen zur Gesteinsformation und zum Farbton – bedingt durch das Terroir.

Reife Trauben der Rebsoerte Cabernet Sauvignon, Dossier Terroir, WineLifeMagazin
Reife Trauben der Sorte Cabernet Sauvignon der Rongchen Vineyard wachsen auf lehmigen Mergelböden (Ton, Schluff, Kalk), durchsetzt mit Sand und Kiesel. (Foto: Arthur Wirtzfeld)

Die Werbewirksamkeit des Begriffs „Terroir“ ist offensichtlich so groß, dass dieser zwischenzeitlich nicht nur im Bereich des Weins Verwendung findet. So werben schottische und irische Destillerien seit Kurzem damit für ihren Whisky, bauen gar ihr gesamtes Marketingkonzept rund um diesen Begriff auf (Waterford Distillery). Auch Mischgetränke werden in diesen Bann gezogen: Die „K Bar“ im Londoner Kensingten Hotel stellte im Februar 2020 eine Liste mit dem Titel „Terroir“ vor: Dort werden 15 Cocktails angepriesen, die auf den Charakteristika und Aromen bekannter Weinbauregionen basieren sollen. Aus Deutschland ist die Mosel vertreten, der „Kim Lin“ soll die Mineralität des Chablis-Bodens widerspiegeln und der „Bakin‘“ mit den Aromen von Speck, Thymian und schwarzem Pfeffer den Eindruck der südlichen Rhône vermitteln.

Auch im internationalen Kontext kann damit festgehalten werden, dass es sich bei dem Begriff um einen werthaltigen, hoch angesehenen Ausdruck handelt, der sich trefflich zu Werbezwecken verwenden lässt – und dies nicht nur innerhalb des Weinbaus. So vertritt der Verband „Terroir Tourisme“ die wirtschaftlichen Interessen der schweizerischen Romandie und bezieht dabei neben der Landschaft und den dort produzierten Weinen weitere kulinarische Köstlichkeiten, aber auch Wanderwege und Unterkünfte in seine Werbung ein.


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