NEWSMissbrauch und Fasten: Die Rolle von Alkohol in der Pandemie

Missbrauch und Fasten: Die Rolle von Alkohol in der Pandemie

Seit Aschermittwoch sind wir in der Fastenzeit, die noch bis Ostern andauert. Viel wurde in jüngster Zeit darüber diskutiert und geschrieben, dass der Alkoholkonsum während der Pandemie gestiegen sei. Ob das so zutrifft, was die Fastenziele sind und wer über die Stränge schlägt, das wollen wir uns mal genauer ansehen.


DEUTSCHLAND (Berlin) – Im Lockdown wurde 2020 offensichtlich mehr Alkohol konsumiert und auch der Konsum an Zigaretten stieg deutlich. In der Corona-Krise greifen die Menschen in Deutschland offenbar stärker zu alkoholischen Getränken und Zigaretten. Dies legt die Entwicklung der Einnahmen aus den Steuern auf Alkohol und Tabak nahe, die laut einem Bericht des „Spiegel“ teils deutlich anstiegen. Das Magazin beruft sich auf Angaben aus dem Jahresabschluss 2020 der Regierung an den Haushaltsausschuss.

Während demnach die Mehrwertsteuereinnahmen – auch wegen deren zeitweiliger Absenkung – im vergangenen Jahr stark zurückgingen, legten beispielsweise die Einnahmen aus der Branntweinsteuer um rund sechs Prozent auf 2,2 Milliarden Euro zu. Bei der Schaumweinsteuer habe es im Jahresvergleich ein Plus um 5,5 Prozent auf 405 Millionen Euro gegeben. Einen Rückgang habe es lediglich bei den Abgaben auf Alcopops gegeben.

Die Einnahmen aus der Tabaksteuer stiegen dem Bericht zufolge um knapp drei Prozent auf 14,7 Milliarden Euro. Weil Restaurants und Kneipen über Monate geschlossen waren, rauchten und tranken die Deutschen offensichtlich mehr zu Hause.

Immer mehr wollen fasten

Die Deutschen wollen während der Fastenzeit vor allem auf Alkohol verzichten. 73 Prozent der Befragten wollen kein Bier, keinen Wein oder keine Spirituosen in den Wochen bis Ostern trinken, wie eine von der Krankenkasse DAK veröffentlichte repräsentative Forsa-Umfrage ergab. Noch vor einem Jahr hatten mit 65 Prozent der Befragten weniger einen Alkoholverzicht geplant – damals standen Süßigkeiten an erster Stelle.

Das aus der christlichen Tradition kommende Fasten gewinnt der Erhebung zufolge trotz der nachlassenden kirchlichen Bindungen und trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie gesellschaftlich an Bedeutung. So fasteten mittlerweile 64 Prozent der Deutschen schon mindestens einmal für mehrere Wochen. Das sind laut der Umfrage rund 25 Prozent mehr als noch im Jahr 2012.

In der Rangliste des geplanten Verzichts folgen hinter dem Alkohol Süßigkeiten, auf die 68 Prozent der Fastenden verzichten wollen. Dahinter stehen Fleisch mit 54 Prozent, Rauchen mit 45 Prozent und Fernsehen mit 39 Prozent. Auf Handy und Computer wollen 24 Prozent verzichten, auf das Auto ebenfalls.

In fast allen Fastenzielen gab es im Vergleich zum Jahr 2020 einen Zuwachs. Nur bei der Handy- und Computernutzung wollen etwas weniger Menschen Abstriche machen als in der Fastenzeit vor einem Jahr. Damals kündigten hier 29 Prozent einen Verzicht an.

Wie die Umfrage weiter ergab, geben 30 Prozent der Befragten an, dass sie sich in den vergangenen Monaten weniger gesund verhalten hätten als zuvor – dies betraf demnach die Stressbelastung, den Alkoholkonsum oder sportliche Aktivitäten.

Alkoholmissbrauch vor allem unter Jugendlichen verbreitet

Laut einer neuen Erhebung des Statistischen Bundesamtes ist akuter Alkoholmissbrauch besonders unter Jugendlichen verbreitet. Im Jahr 2019 wurden 14.500 Kinder und Heranwachsende von zehn bis unter 18 Jahren wegen Rauschtrinkens stationär im Krankenhaus behandelt. Damit sei die Zahl zwar rückläufig, aber immer noch doppelt so hoch wie zur Jahrtausendwende. Den Höchstwert hatten die Statistiker 2012 mit rund 18.800 Fällen gezählt.

In der Altersgruppe der 20- bis unter 25-Jährigen seien im Jahr 2019 zum Vergleich 8800 Betroffene wegen Alkoholmissbrauchs im Krankenhaus behandelt worden. In der Gruppe der 60- bis unter 65-Jährigen zählte das Statistikamt weniger als halb so viele Fälle wie bei den Minderjährigen.

Rund 22 Prozent der vom Alkoholmissbrauch betroffenen Kinder und Jugendlichen waren demnach jünger als 15 Jahre. In der Gruppe der zehn- bis 15-jährigen Rauschtrinker verzeichneten die Statistiker einen Anstieg um 8,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der stationär Behandelten im Alter von 15 bis unter 18 Jahren sei hingegen leicht zurückgegangen.

Aus der Statistik ergaben sich zudem leichte Geschlechterunterschiede: Im Jahr 2019 mussten rund 7900 Jungen und junge Männer wegen Alkoholmissbrauchs im Krankenhaus behandelt werden. Das entsprach 55 Prozent der Fälle. Die Statistik für 2020 liegt zur Zeit noch nicht vor.

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