Kampf gegen Weinfälschung

Die Methode „Fingerabdruck“ könnte helfen, Weinbetrug einfacher zu erkennen. Eine neuartige Technik, die in der Lage ist, die Herkunft eines Weins schnell festzustellen, hat großes Potenzial, wie australische Wissenschaftler ihre Studie interpretieren.


AUSTRALIEN (Adelaide) – Wissenschaftler der Universität von Adelaide haben im Rahmen einer Studie herausgefunden, dass eine neuartige Technik, genannt die Fluoreszenzspektroskopie, einen relativ einfachen und schnellen Weg bieten könnte, um Weinbetrug zu erkennen. Die Fluoreszenzspektroskopie ist ein Spektroskopieverfahren der analytischen Chemie. Sie nutzt Fluoreszenz-Phänomene zur qualitativen und quantitativen Analyse von Substanzen. Versuche mit dieser Technik zeigten, dass die Methode „großes Potenzial habe, um die geografische Herkunft von Weinen zu authentifizieren“, heißt es in einer Vorstellung der Forschung, die jüngst in der Dezember-Ausgabe der Zeitschrift Food Chemistry veröffentlicht wurde.

Während der Tests an der Universität von Adelaide fanden die Wissenschaftler heraus, dass mit der neuen Technik in der Lage waren, Weine der Sorte Cabernet Sauvignon aus drei verschiedenen Regionen Australiens und einen Vergleichswein aus Bordeaux korrekt zu identifizieren. „Die Methode zeigt eine 100%ige Genauigkeit“, heisst es in der Studie. Diese Analyse-Methode liefert als Ergebnis einen ‚Fingerabdruck‘ der Proben, die eine Existenz von fluorophoren oder lichtemittierenden Verbindungen aufzeigt“, sagte die mitwirkende Wissenschaftlerin, Ruchira Ranaweera, Doktorandin am Waite Research Institute der University of Adelaide, gegenüber der Presse.

Unbestechliche chemische Marker

„In Kombination mit einer robusten Datenanalyse unter Verwendung eines speziellen Algorithmus für maschinelles Lernen erweist sich die Fluoreszenzspektroskopie als leistungsfähige Technik zur Authentifizierung – in dem Fall von Weinen. Das ultimative Ziel ist die Identifizierung spezifischer chemischer Marker für verschiedene Weinregionen, die in eine Datenbank gespeist, immer als Vergleichswert zu Verfügung stehen. Neben der Entwicklung einer robusten Methode zur Echtheitsprüfung hoffen wir, die chemischen Informationen aus den Fluoreszenzdaten nutzen zu können, um die Moleküle zu identifizieren, die Weine aus den verschiedenen Regionen unterscheiden“, erläutert Professor David Jeffery, der im Waite Research Institute wirkt, in dem ARC Training Centre for Innovative Wine Production involviert ist und der das Projekt leitet.

Die Forschung wurde mit Spannung von Australiens Weinindustrie begleitet. Laut den Wissenschaftlern sei die Methode zur Erkennung des Fingerabdrucks eines Weins nicht alles, was Fluoreszenzspektroskopie leisten könnte. „Es gibt andere nützliche Anwendungen dieser Technologie für die Weinindustrie, die bereits verfügbar oder in der Pipeline sind, wie z.B. der Nachweis von Phenolen, die Analyse der Weinfarbe und die Erkennung von Rauchgeschmack“, sagt Ranaweera. Die Organisation Wine Australia, die unterstützend an der Studie mitwirkte, sieht auch einen Ansatz darin, dass diese Methode den Produzenten bei der regionalen Markenbildung helfen könnte.

Fingerabdrücke von Whisky und Whiskey

Eine ähnliche Studie aus dem Jahr 2019 an der University of Louisville, entdeckte einzigartige chemische „Fingerabdrücke“ in amerikanischem Whiskey, die ebenfalls im Kampf gegen Fälschungen helfen können. Ausgangspunkt dieser Studie war die Fragestellung, ob sich schottischer Whisky vom amerikanischen Whiskey unterscheidet. Die US-Wissenschaftler fanden heraus, dass Bourbon-Whiskey beim Verdunsten ein charakteristisches Netzmuster bildet, schottische Whisky dagegen nur eine einheitlich getrübte Fläche ohne markante Strukturen bilden.

Hierzu ist auf wissenschaft-aktuell.de zu lesen (Zitat): „Wie bei einer älteren Whisky-Studie von der Princeton University zeichneten schwer lösliche organische und beim Verdunsten zu Kolloiden verknüpfte Substanzen für die Strukturen verantwortlich. Da amerikanischer Bourbon-Whiskey in neuen Eichenfässern reift, enthält er auch sogar deutlich mehr an diesen Substanzen als schottischer Whisky, der bevorzugt in bereits benutzten Fässern gelagert wird. Die einzigartigen Netzwerkmuster bildeten sich jedoch nur, wenn der Whiskey zuvor mit Wasser auf 20 Volumenprozent verdünnt wurde. Bei dieser Konzentration bildeten sich in ersten Verdunstungsphase innerhalb der ersten Minute turbulente Strömungen. Dabei entstanden kleine Molekülkomplexe, sogenannte Mizellen, die die Grundlage für die Netzwerkmuster bei der weiteren, vollständigen Verdunstung legten. Sowohl bei einer höheren als auch bei einer niedrigeren Alkoholkonzentration trat dieser Effekt ebensowenig auf wie beim schottischem Whisky überhaupt.“

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