Frankreichs Weinexporte brechen ein

Im Berichtsjahr 2020 sind Frankreichs Weinexporte deutlich gesunken. Die Exportlage in Zeiten der Corona-Pandemie, erschwerend noch in Kombination mit den Handelsstreitigkeiten mit den USA, wird von französischen Verbänden als „besorgniserregend“ eingestuft.


FRANKREICH (Paris) – Die Corona-Pandemie und US-Strafzölle haben den Export von französischen Weinen und Spirituosen im vergangenen Jahr einbrechen lassen. 2020 sei ein Rückgang von fast 14 Prozent verzeichnet worden, teilte der Verband der französischen Wein- und Spirituosen-Exporteure (FEVS) am Donnerstag mit. Die Ausfuhr von Spirituosen aus Frankreich ging angesichts von geschlossenen Bars, Clubs und Restaurants während der Corona-Pandemie weltweit um fast ein Fünftel zurück. Beim Wein fiel das Minus mit gut elf Prozent geringer aus.

„Vor einem Jahr haben wir angekündigt, dass 2020 ein schwieriges Jahr werden würde“, erinnert sich César Giron, Vorsitzender der FEVS. „Unsere Befürchtungen wurden übertroffen. Unsere Unternehmen hatten 2020 mit einem extrem ungünstigen Umfeld zu kämpfen.“ Besonders schlecht für die französischen Weinproduzenten sei das Geschäft in den USA gelaufen. „Auf unserem größten Absatzmarkt haben wir einen Rückgang unserer Weinexporte von 18 Prozent erfahren“, sagt Giron. Hintergrund seien die US-Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf bestimmte Weine aus der EU, die Washington Oktober 2019 aufgrund des Streits um Staatsbeihilfen für die Flugzeugindustrie verhängt hatte. Und dann kurz vor dem Ende der Präsidentschaft von Donald Trump beschloss die US-Regierung im Januar zudem neue Aufschläge für bestimmte Weine sowie Cognacs und andere Branntweine aus Frankreich und Deutschland. 

Hoffnung trotz Einbruch

Der weltweite Umsatz mit französischen Spirituosen sank um 19,4 Prozent auf 3,8 Mrd. Euro, bei einem Volumen von 48,5 Mio. Kisten (-8,4 Prozent). Bei Wein waren es 8,2 Milliarden Euro (-11,3 Prozent), bei 132 Millionen Kisten (-5,1 Prozent).

„In diesem extrem schwierigen Umfeld haben die französischen Wein- und Spirituosenexporteure Wege gefunden, ihre Position zu halten und den Weg für die Zukunft und die wirtschaftliche Erholung zu ebnen, die wir alle für 2021 erwarten“, bekräftigt Giron. „In einigen Ländern konnten wir bereits kleine Verbesserungen sehen, besonders in den letzten drei Monaten des Jahres 2020. Allerdings müssen wir die gesundheitliche Situation noch in den Griff bekommen, um eine globale Erholung zu gewährleisten“.

Exporte nach Großbritannien und China ebenfalls rückläufig

In Großbritannien wirkte sich die Pandemie nur mäßig auf den Absatz von stillen Weinen und Spirituosen aus, hatte aber einen stärkeren Einfluss auf Schaumweine. Das Ergebnis war ein Rückgang der französischen Exporte um 6,5 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Der gleiche Effekt ist bei den Verkäufen in allen 27 EU-Ländern zu beobachten, mit einem Rückgang von 7,1 Prozent (3,1 Mrd. Euro). Die Folgen sind jedoch für den nördlichen und südlichen Teil des Kontinents unterschiedlich.

Der Ausbruch der Coreonakrise in China, die das Konsumverhalten während des letztjährigen chinesischen Neujahrsfestes stark beeinflusste, führte zu einem drastischen Einbruch der Exporte. Die Ausfuhren gingen um 15,2 Prozent auf 809 Mio. Euro zurück. Zusammenfassend sank der Umsatz in China, Hongkong und Singapur um 1,9 Mrd. Euro (-19,4 Prozent).

Einschätzung und Hilfegesuch an die EU

Der Branchenverband FEVS bezeichnet vor allem die Lage in den USA als besonders „besorgniserregend“. Die Strafzölle gefährden die Präsenz französischer Weine auf dem weltweit wichtigsten Markt und den Fortbestand der Exportbetriebe. Mit zwölf Milliarden Euro sank der Gesamtwert der französischen Wein- und Spirituosen-Exporte im vergangenen Jahr auf das Niveau des Jahres 2016. 

„Die Europäische Union muss bei der Lösung dieses Konflikts eine Führungsrolle übernehmen: es ist dringend notwendig, dass die Chefin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, interveniert, um diese Angelegenheit direkt – und ohne Verzögerung – mit dem Präsidenten Joe Biden zu lösen“, bekräftigt der FEVS-Vorsitzende. „Die dringende Notwendigkeit, diesen transatlantischen Konflikt zu lösen, bedeutet jedoch nicht, dass der französische Staat sich seiner Verantwortung entziehen kann: Premierminister Jean Castex wird sich am 15. Februar mit uns treffen. Dieses Treffen muss zu starken Entscheidungen zu Gunsten der Exporteure führen“.

Downlaod Tabellenansicht: (FEVS_SummaryFiguresWineExport.pdf)


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