NEWSDer Kommentar: Kloster Pforta – Quo Vadis?

Der Kommentar: Kloster Pforta – Quo Vadis?

Der Verschleiß an Geschäftsführern ist schon bemerkenswert. Kloster Pforta, in Händen des Landes Sachsen-Anhalt, steht ab Juni erneut ohne Geschäftsführung da – und das nicht zum ersten Mal. Jetzt hat Bastian Remkes das Handtuch geworfen. Zeit für eine Besinnung auf das Wesentliche.


DEUTSCHLAND (Bad Kösen) – Bei dem Hin und Her der letzten Jahre ist auch für den engagiertesten Kandidaten die Führung des auf Historie fußenden Weinbetriebes Kloster Pforta scheinbar basislos. Das Landesweingut schwankt zwischen dem Engagement williger Kandidaten und den Vorschriften des Eigners. Gründe für das mehrmalige Scheitern der Protagonisten, die mit Elan starteten, sind im Wesentlichen immer gleich – nachzulesen im Beitrag meines Kollegen Rudolf Knoll mit dem Titel „Landesweingut Kloster Pforta: Geschäftsführer Remkes ist ‚Hansi Flick der Weinszene‘“.

Statt sich seit Jahren mit dem Neubau von Produktionsanlagen und parallelen Umzugsgedanken zu beschäftigen und die Weingutsleitung damit zu quälen, hätte der Eigner des Gutes besser daran getan, durch seine bestellten Führer eigene Weine und Lagen profilieren zu lassen. Dies scheiterte aber bisher, weil man dazu Mut – der und auch der Wille wäre bei den Geschäftsführern vorhanden gewesen – aber keine Amtsregeln braucht, die eine solche Entwicklung behindern. Jedenfalls kann es nicht sein, dass in einem aufstrebenden Weingebiet ein solches Traditionsgut und markantes Symbol für die Weinbauregion Saale-Unstrut in Händen von Beamten dahin dümpelt und dabei auch noch seine vinophile historische Reputation langsam zerrinnen lässt.

Kloster Pforta
Historische Ansicht der Anlagen von Kloster Pforta. (Foto: Kloster Pforta)

Doch einer Institution spielt das sich vermeintlich abzeichnende Schicksal von Kloster Pforta in die Hände. Offensichtlich ist die Winzervereinigung Freyburg-Unstrut heiß auf die Lagen des Kloster Pforta und offerierte jetzt nach Bekanntgabe der Amtsniederlegung von Bastian Remkes ein Angebot (Zitat Andreas Silbersack, Aufsichtsratschef der Winzervereinigung): „Wir würden es begrüßen, wenn das Landesweingut neues Mitglied unserer Genossenschaft wird. Dabei könnte die Landesgesellschaft Sachsen-Anhalt weiterhin Eigner der Rebflächen bleiben und die Marke ‚Kloster Pforta‘ würde erhalten bleiben.“

Die Begehrlichkeit der Winzervereinigung ist durchaus verständlich, aber eine Weinmarke „Kloster Pforta“ ist eher schmeichelnd gedacht – jedenfalls nicht als solche vorstellbar, wenn sie in die Hände der Freyburg-Unstruter Genossen fällt. Man kennt solche „Übernahmen“ von Markennamen aus der deutschen Weingeschichte – übrig geblieben davon sind oftmals vorgetäuschte Eigenständigkeit, meist nur Worthülsen und Mainstream-Weine.

Dass Sachsen-Anhalts Staatsminister Rainer Robra (CDU) als Aufsichtsratschef des Landesweingutes nichts von dem Angebot der Genossen hält, lässt Raum für Hoffnung hinsichtlich einer eigenständigen Entwicklung von Kloster Pforta als eines der bedeutenden Traditionsgüter Deutschlands. Sollte der Weggang von Remkes und die Anfrage der Winzervereinigung als Weckruf wirken, dann ist einer neuen Geschäftsführung zu wünschen, dass sie absolut freie Hand erhält, um die Geschicke von Kloster Pforta in eine erfolgreiche Zukunft zuführen. Schaun’ wir mal – die Weinwelt und wir haben ein Auge auf das Geschehen …

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