Bordeaux: Sieben Verhaftungen nach Diebstahl von Grands Crus im Wert von 800.000 Euro

Erfolgreiche Ermittlungen: Etwa 1.600 Flaschen wurden im September aus dem Weindepot eines Händlers in Bruges, einer der nördlichen Vororte von Bordeaux, gestohlen – in der vergangenen Woche wurden sieben Personen nach Razzien in mehreren Orten verhaftet und angeklagt.


FRANKREICH (Bruges) – Vier Monate nach dem Diebstahl von 1.600 Flaschen wertvoller Bordeaux-Weine in Frankreich ist die Tat offenbar aufgeklärt. Wie am Samstag aus Polizeikreisen in Bordeaux bekannt wurde, sind sieben Verdächtige im Raum Bordeaux festgenommen worden, vier davon wurden inhaftiert. Die Täter hatten vornehmlich Grand Crus im Gesamtwert von mindestens 800.000 Euro im September aus einem Händlerdepot in Bruges entwendet. Etwa die Hälfte der Flaschen konnte den Angaben zufolge sichergestellt werden.

Bruges ist eine französische Stadt mit knapp 18.000 Einwohnern im Département Gironde in der Region Nouvelle-Aquitaine. Die Stadt liegt im Arrondissement Bordeaux und dort im Kanton Le Bouscat. Aus dem Weindepot eines hier ansässigen Händlers stammten die 1.600 gestohlenen Weine von prestigeträchtigen Produzenten, darunter Château Latour, Haut-Brion und Petrus.

Familienbande verhaftet – Export verhindert

Die polizeilichen Ermittlungen ermöglichten es in der Folge, den Verdacht auf mehrere Personen, darunter auch Mitglieder derselben Familie, lebend in verschiedenen Teilen der Stadtgebiete wie Bordeaux, Mérignac, Artigues-près-Bordeaux, Saint-Loubès und Blanquefort, zu konzentrieren und dann zu bestätigen. Ein Einsatz an mehreren Orten am vergangenen Dienstagmorgen, an dem etwa fünfzig Polizeibeamte beteiligt waren – insbesondere die Brigade zur Unterdrückung von Banditentum und die Fahndungs- und Interventionsbrigade – führte zur Festnahme von sieben Personen, darunter auch eine Frau.

Eine der Personen musste bei der Festnahme kurzzeitig mit einer Waffe bedroht werden, was Gegenstand eines Nebenverfahrens wird. Die Verdächtigen, 30 bis 40-jährig und mit unterschiedlichen Profilen, waren der Polizei größtenteils wegen Taten durchschnittlicher Kriminalität bekannt. In ihren Akten sind Diebstahl, Hehlerei und Drogen im Besonderen vermerkt. Einige von ihnen könnten mit dem Einbruch ins Weindepot des Händlers in Verbindung gestanden haben. Andere werden verdächtigt, eine Vermittlerrolle für den Verkauf übernommen zu haben. Zu ihnen gehören ein Chinese und ein Händler in Bordeaux, die den Kauf der Beute für den Export geplant haben sollen.

Die mutmaßlich Verdächtigen wurden am Freitag vergangener Woche wegen schwerem Diebstahl, Hehlerei und krimineller Verschwörung angeklagt. Vier wurden verhaftet und drei weitere wurden unter richterliche Aufsicht gestellt. Fast die Hälfte der Beute, etwa 800 Flaschen, wurde wiedergefunden. Bei den Durchsuchungen wurden außerdem mehrere tausend Euro, zwei Langwaffen und geringe Mengen an Betäubungsmitteln beschlagnahmt.

Signifikantes Phänomen

Der Diebstahl von Grands Crus ist ein „signifikantes“ Phänomen in der Gegend von Bordeaux, mit Schäden, die immer größer werden und jetzt auch mit einem Exportziel, sagen Polizeiquellen. Im Dezember wurde in einer gemeinsamen Polizeiaktion mit 25 Verhaftungen in den Regionen Gironde, Dordogne und Loire ein ausgedehntes Netzwerk von Diebstählen und Verstecken von Grands Crus aufgedeckt, bei dem es um Beute im Wert von rund fünf Millionen Euro ging.

Aber nicht nur Weindepots in Frankreich sind Ziele von Dieben. Jüngst wurde der Weinkeller eines wegen Corona geschlossenen Restaurants im Rheingau um rund 500 Pretiosen von rund 70.000 lagernden Weinen erleichtert. Für das „Kronenschlösschen“ in Hattenheim war es eine besondere Art von Lockdown-Schaden. Die Diebe wählten gezielt prestigeträchtige Weine aus, darunter Romanee-Conti, Petrus, Latour, Lafite, Mouton-Rothschild, Harlan Estate (Kalifornien), Massetto (Toscana), Champagne Krug. Der Schaden: über 300.000 Euro.


Lesen Sie dazu unseren Beitrag: Einbrecher klauen 500 Wein-Pretiosen aus dem „Kronenschlösschen“ im Rheingau

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