Aufstrebender Markt für unbekannte Burgunder Domänen

„Burgund hat 2020 wertmäßig Marktanteile verloren, während die Preise gesunken sind, aber stabile Volumina und ein Anstieg der Anzahl der gehandelten Weine deuten darauf hin, dass das Interesse an der Region noch lange nicht nachgelassen hat.“ So lautet zusammenfassend die Analyse der Experten der in London ansässigen Weinhandelsorganisation LIV-EX.

FRANKREICH (Dijon) – Für den Handel ist die Performance einer Weinregion immer ein wichtiger Hinweis auf die zukünftige Entwicklung im Sekundärmarkt. Gerade jetzt in Zeiten der globalen Pandemie, den US-Zöllen und der kommenden En-Primeur-Kampagne. Eines ist Fakt: Burgund hat Marktanteile gemessen am Wert verloren. Bis vor zwei Jahren zeigte Burgund in diesem Jahrhundert eine bemerkenswerte Preisentwicklung. Die Preise waren nicht nur stabil, sondern legten kontinuierlich zu. Um Weine von Burgunds Spitzenwinzern zu erwerben, musste der Handel hoch einsteigen.

In den letzten zwei Jahren war Burgund allerdings die Region mit der schlechtesten Performance im Rahmen des Liv-ex-Index, der 2019 mit einem Minus von 8,8 Prozent und 2020 mit einem Minus von 1,5 Prozent abschloss. Dies war auf eine Kombination aus Covid-19, US-Importzöllen und einem reichlich bepreisten 2018er Jahrgang zurückzuführen, der im letzten Jahr auf den Markt kam. Trotz dieser Rückgänge erwies sich der Burgunder Weinmarkt im Jahr 2020 immer noch als besseres Investment als einige Aktien bekannter Indizes.

Burgunds breiter werdender Markt

Die 10-Jahres-Performance der legendären Burgunder-Etiketten hat Sammler dazu ermutigt, auf der Suche nach Werten tiefer in die Region vorzudringen, was kleineren regionalen Domänen in den letzten Jahren ermöglichte, zu glänzen. Die Käufer fanden weiterhin Wert in der vielfältigen Auswahl an Weinen der Region, wobei sie Etiketten aus Appellationen in Betracht zogen, die in der Vergangenheit nur selten auf dem Sekundärmarkt angeboten wurden.

So kletterte die Anzahl der gehandelten Weine im Jahr 2020 um 28 Prozent. Die gehandelten Etiketten stiegen um 40 Prozent. Die Chance für bisher eher unbekannte Erzeuger ist merklich gestiegen. Und so ergänzen immer mehr Weine aus Burgund zu niedrigeren Preispunkten die Top-Marken. Der Angebot für Einsteiger in den Burgunder Weinmark ist heute größer als in der ersten Dekade dieses Jahrhunderts.

Rückblick zum Handel 2020

Im Jahr 2020 wurde der Handel auf dem Sekundärmarkt für Burgunder von den jüngsten Jahrgängen dominiert (jeweils anteilig): 2017 (mit 22 Prozent), 2018 (mit 15 Prozent) und 2016 (mit 9 Prozent). Top-Erzeuger wie die Domaine de la Romanée-Conti, Armand Rousseau und Leroy, die Höchstpreise erzielen, führten den Handel nach Wert an.

Aufgeschlüsselt nach Crus hatten Romanée-Conti (8,8 Prozent), Le Chambertin (6 Prozent), Musigny und Montrachet mit jeweils 4,2 Prozent den größten Anteil am Gesamthandel des Burgunders. Batard-Montrachet, Clos de Vougeot, Chevalier-Montrachet, Clos de la Roche und einige Spitzenlagen des Chablis zeigten trotz Pandemie bedingter Einschränkungen einen Aufwärtstrend.

Der Romanée-Conti Grand Cru 2016 war der wertmäßig meistgehandelte Burgunder auf Liv-ex im Jahr 2020, während Etienne Sauzet Bourgogne Blanc 2015 der am meisten gehandelte Wein nach Volumen war.

Historisch gesehen hat der rote Burgunder die Weißweine preislich übertroffen. In den letzten fünf Jahren stiegen die Preise für Burgunder Rotweine um kumuliert 78,6 Prozent im Vergleich zu 28,9 Prozent für Weißweine. Im Jahr 2020 war der durchschnittliche Handelspreis für eine Kiste roten Burgunders auf Liv-ex doppelt so hoch wie der für einen weißen.

Covid-19 und die Zukunft

Der Wechsel zum Online-Handel, der durch die weltweiten Lockdowns und Grenzsperrungen ab Anfang 2020 notwendig wurde, bedeutete, dass der Weinhandel überdenken musste, wie und was er dem Kunden anbieten kann. Die digitalen Möglichkeiten erleichterten es den Händlern, eine größere Auswahl an Weinen für ein größeres Publikum als je zuvor anzubieten, und so klettere der Online-Handel mit Burgundern im Jahr 2020 auf beachtliche 36 Prozent, gemessen an der Gesamtzahl der Transaktionen mit Weinen aus Burgund.

Händler, die letztes Jahr ihre Burgunder En-Primeur anboten, berichten von starker Nachfrage trotz Preiserhöhungen gegenüber dem Vorjahr. Während viele Preise unverändert geblieben waren, gab es bei einigen Erzeugern bemerkenswerte Erhöhungen, die meist auf geringere Erträge zurückgeführt wurden.

Das Burgund wird in 2021 vor neuen Herausforderungen stehen, nicht zuletzt durch die anhaltenden Lockdowns oder wegen zögerlichen Rücknahmen von Einschränkungen betreffend die Reiseverbote und geschlossener Hotellerie und Gastronomie. Dennoch ist der Handel rundum optimistisch ob zunehmender Online-Verkäufe während der Pandemie. „Die Reise zur neuen Entdeckung des Burgunds hat gerade erst begonnen“ könnte der zukünftige Slogan des Handels sein.

Über Liv-ex

Die London International Vintners Exchange (Liv-ex) wurde im Jahr 2000 gegründet und betreibt eine internet- und telefonbasierte Informations-, Handels- und Abwicklungsplattform für Händler, Weinhandlungen, Negociants, Produzenten, Investoren und Weinfonds. Mit mehr als 400 Mitgliedern aus insgesamt 41 Ländern weltweit war Liv-ex entscheidend an der Erhöhung der Transparenz und Liquidität im Markt für Feinwein-Anlagen beteiligt. Liv-ex veröffentlicht eine Reihe von wichtigen Indizes, die zur Messung der Preisentwicklung für den Markt der Feinweine nützlich sind.

Ein Blick in die Kristallkugel: Weinszene im Jahr 2021

Zum Thema „Weinszene in Zeiten der Pandemie“ habe ich einen Blick in die Weinweilt 2021 riskiert. Mehr dazu im Artikel. „Weinszene im Jahr 2021

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