NEWSAlle Augen auf Bordeaux: En Primeur 2020

Alle Augen auf Bordeaux: En Primeur 2020

Ein qualitativ hochwertiger Jahrgang in Verbindung mit der Aussetzung der US-Zölle dürfte das Interesse an Bordeaux befeuern, aber kann es sich Bordeaux angesichts möglicher Frostschäden für den Jahrgang 2021 und einer zögerlichen Marktstimmung leisten, in der diesjährigen Kampagne etwas falsch zu machen?


FRANKREICH (Bordeaux) – Die ersten Anzeichen deuten darauf hin, dass 2020 ein Jahrgang von hoher Qualität ist, obwohl die Meinungen darüber, wie er im Vergleich zu 2016, 2018 und 2019 abschneidet, geteilt sind. Die Mengen sind sicherlich kleiner als bei all diesen Jahrgängen; 2020 war einer der drei ertragsärmsten Jahrgänge des letzten Jahrzehnts, ebenso wie die Jahrgänge 2013 und 2017.
 
Seit dem 4. März hat der Druck durch die US-Zölle nachgelassen, was zu einem erneuten Interesse an Bordeaux geführt hat; die Region steigerte ihren Marktanteil bis Mitte März auf 41,6 Prozent, gegenüber 33,2 Prozent im Januar, ist in einer Analyse von Liv-Ex zu lesen. Laut Justin Gibbs, Direktor und Mitbegründer von Liv-ex (Zitat): „… habe die jüngste Aufhebung der Zölle eine deutliche Auswirkung auf die Aktivität gehabt, was mittlerweile zu einem merklichen Nachfrageschub für Weine aller französischer Anbauregionen, einschließlich Bordeaux, geführt habe.“
 
Der Handel wurde auch durch die jüngsten kritischen Bewertungen des schon abgefüllten Jahrgangs 2018 angekurbelt, der sich zum zweitmeisten gehandelten Jahrgang nach Wert seit Januar 2021 entwickelt hat – nur übertroffen vom Klassiker 2009, dessen Handel unter anderem aufgrund seiner Assoziation mit dem diesjährigen chinesischen „Mondjahr des Ochsen“ zugenommen hat.  
 
Der Jahrgang 2020 auf einen Blick

Der Jahrgang 2020 bestand aus einem nassen Frühjahr mit recht hohem Druck von Mehltau, gefolgt von einem langen, heißen Sommer und einer Hitzewelle zur Erntezeit. Es wurden Ähnlichkeiten zu den Vegetationsperioden 2016, 2018 und 2019 gezogen. Allerdings ist der endgültige Ertrag des Jahrgangs 2020 mit 440 Millionen Litern um etwa 10 Prozent niedriger als in den beiden vorangegangenen Jahren, vor allem aufgrund der Hitze.

Die Winzer des Bordelais und anderer französischer Weinbauzonen werden immer geschickter im Umgang mit heißeren Jahrgängen. Dennoch könnten die Sorgen um die Ernte 2021 die Veröffentlichungs- und Preisstrategie für aktuelle Kampagne beeinflussen, so wie es die Fröste 2017 an der Schwelle zur Veröffentlichung der 2016er taten. Eine ganze Reihe von Experten der französischen Weinszene haben auf das Potenzial für exzellente Weine des Jahrgangs 2020 hingewiesen, aber auch auf das, was wahrscheinlich ein hohes Maß an Heterogenität von Appellation zu Appellation, Châteaux zu Châteaux sein wird. 

Wie werden sich die Marktbedingungen auf die En Primeur auswirken?

Die letztjährige Kampagne war am Ende ein überraschender Erfolg, wenn auch ein begrenzter. Da die physische Veranstaltung wegen der Corona-Pandemie abgesagt wurde, verschickte die Union des Grands Crus de Bordeaux Hunderte von Proben an den Handel und die Kritiker. Die danach zeitlich individuellen Verkostungen der Proben bedeutete, dass es eine Weile dauerte, bis sich ein vollständiges Bild ergab. Das Ergebnis: Die Bewertungen waren hoch. Weiteres Fazit: Die Preise waren auch niedriger als bei den 2018ern, die Mengen waren begrenzt. Die Nachfrage war zwar eher gering, aber sie hat mal wieder bewiesen, dass gut bepreiste Weine einen Markt finden werden.
 
„Der Erfolg der letzten Kampagne hat gezeigt, dass es da draußen einen willigen Markt gibt, der bereit ist für die Magie von Bordeaux – die Erzeuger müssen nun die Gelegenheit ergreifen“, resümiert Gibbs in der nachträglichen Bewertung. Die 2020er-Kampagne steht vor ähnlichen Bedingungen, diesmal mit der zusätzlichen Komplexität des Brexit. Weinproben in Großbritannien werden nun mit zusätzlichem Papierkram und Zollgebühren belastet.

Die möglichen Folgen

Preiserhöhungen sind eine reale Möglichkeit, angesichts der geringeren Erträge und der Nachrichten über mögliche Frostschäden für 2021. Die ersten Bewertungen der Kritiker, wieder einmal angesichts der anhaltenden Pandemie zeitlich ausgedehnt, werden der Schlüssel sein, um zu bestimmen, in welchem Tempo sich die Kampagne entfaltet. Und der Erfolg wird wie immer vom wahrgenommenen Wert im Vergleich zu den auf dem physischen Markt erhältlichen Weinen bestimmt werden.

Die aktuelle En Primeur Kampagne hat viele bewegliche Teile und Komponenten. Die Verkostungen, Bewertungen, Veröffentlichungen, Preise, Länge und das Tempo der Kampagne sind immer bis zu einem gewissen Grad voneinander abhängig, und das gilt im zweiten Jahr der Pandemie ganz besonders. 

Das Risiko des Bordelais

Bis die Bewertungen verteilt sind und sich ein besseres Verständnis für die Qualitäten des Jahrgangs herausbildet, ist es sicherlich die vernünftigste Option, die Preise im Rahmen der 2019er zu halten. Eine Gefahr besteht darin, dass die Preise attraktiv sind, aber die Châteaux weiterhin die Menge der freigegebenen Bestände reduzieren, in einem ohnehin schon kleinen Jahrgang, was sowohl Stamm- als auch Neukäufer frustrieren wird.
 
Aus Sicht der Liv-Ex zeigt die Marktstimmung gegenüber Bordeaux „Anzeichen einer Erholung, aber die Erholung sei dennoch zaghaft“. Es gäbe immer noch „viele Weine aus vergangenen Jahrgängen, die weithin mit Preisnachlässen auf ihre ursprünglichen Veröffentlichungspreise erhältlich seien.“
 
„Um die Käufer in dieser Kampagne bei der Stange zu halten, können es sich die Bordelaiser kaum leisten, einen Fehler zu machen. Sollten sie dies tun, könnten sie die Reserven des guten Willens, die in 2020 wiedergewonnen wurden, schnell verspielen“, sagt Gibbs.

Über Liv-ex 

Liv-ex ist der globale Marktplatz für den Weinhandel. Neben einer umfassenden Datenbank mit Echtzeit-Transaktionspreisen bietet Liv-ex dem Weinhandel intelligentere Möglichkeiten, Geschäfte zu machen. Liv-ex bietet Zugang zu Wein im Wert von 112 Millionen Dollar und die Möglichkeit, mit 500 anderen Weinhändlern weltweit zu handeln. Sie organisieren auch die Zahlung und Lieferung durch ihre Lager-, Transport- und Supportdienste. Weinhändler können unter www.liv-ex.com herausfinden, wie sie Wein intelligenter bepreisen, kaufen und verkaufen können.

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